KUNST

LOCKERE GEDANKEN ÜBER KUNST

Ich finde, dass man Kunst unnötigerweise mit maßloser Ernsthaftigkeit und extremer Hochachtung verbindet, besonders wenn man so genannte moderne Kunst meint. Ich würde unsere Position sogar als "auf Knien" bezeichnen. Die Kritik und das Hinterfragen sind Tabu und was uns vorgesetzt wird, wird praktisch ausnahmslos bewundert und mit Ehrfurcht angenommen. Oft verdienen das aber viele "Kunstwerke" nicht. Zu oft wird der Betrachter/Empfänger sogar zum Narren gehalten und zu oft weist Kunst keine Seriosität auf (gut, muss auch nicht), also: warum sollte man sie so ernst und wichtig nehmen, wie wir das meistens tun? Ich möchte mich wiederum über Kunst nicht lustig machen, aber … es gibt schon Situationen, wo man sich doch fragt: Was ist das eigentlich? Hatten Sie noch nie Zweifel, ob das was man uns als sog. Kunst verkaufen will, wirklich Kunst ist?

Was ist Kunst eigentlich? Darüber kann man sehr lange diskutieren, das weiß so richtig nicht einmal "Tante" Wikipedia. Karl Kraus (Schriftsteller, Publizist, Satiriker) sagte einmal: "Kunst ist etwas, was so klar ist, dass es niemand versteht".

Andreas Gursky, ein Fotograf aus Düsseldorf, hat für sein Foto "Rhein II" 3,1 Millionen Euro bekommen, das teuerste Foto der Welt (bis 2014). Das Bild zeigt das Rheinufer in Düsseldorf, nicht mehr und nicht weniger. Dazu ist das Bild stark manipuliert – es wurden viele Elemente (im Vergleich zum Original) am PC entfernt. Der Käufer hat bestimmt, dass es sich hier um große (weil teure?) Kunst handelt. Er hat sicherlich nicht nur für ein Foto bezahlt, er hat vor allem für Kunst bezahlt, oder? So muss man doch den (hohen) Preis verstehen. Dies ist ein Fall von vielen und es gibt mehrere solcher Beispiele, die ein Otto-Normalverbraucher nicht versteht. Siehe auch (als weiteres Beispiel) den bekannten Kunst-un?-Fall, der sich vor einiger Zeit (11.2011) im Museum in Dortmund abgespielt hat. Eine Situation perfekt nach dem Motto: "Ist das Kunst oder kann das weg?".

Zitat: "Eine besonders gewissenhafte Reinigungskraft hat in einer italienischen Galerie Kunstwerke entsorgt, die sie für Müll hielt. Die Exponate bestanden aus Zeitungen, Pappkartons und Keksstücken, die über den Boden verteilt waren. Der Schaden ist beträchtlich. Die Ausstellung in der Galerie Sala Murat in Bari soll Besucher dazu bringen, sich mit ihrer Umgebung auseinanderzusetzen. Die entsorgten Exponate des Künstlers Paul Branca waren als Anregung gedacht, sich zum Thema Umwelt Gedanken zu machen, so die BBC. Ein Sprecher der Reinigungsfirma sagte, die Frau habe nur ihre Arbeit getan. Man werde den entstandenen Schaden von etwa 10.000 Euro übernehmen. Mit ihrer Aktion hat die Frau der Reihe "Ist das Kunst oder kann das weg?" eine weitere Episode hinzugefügt. Erst vor drei Jahren zerstörte eine Putzfrau ein 800.000-Euro-Werk des Künstlers Martin Kippenberger.

2004 wurde laut "Mirror" ein Werk des deutschen Künstlers Gustav Metzger im Museum Tate Britain entsorgt, drei Jahre davor in der Eyestorm Gallery eine Installation von Damian Hurst, die aus Bierflaschen, Kaffeetassen und vollen Aschenbechern bestand.
1999 räumte ein Museumsmitarbeiter Tracey Emins Exponat "My Bed" auf, weil es so aussah, als sei es beschmutzt worden. Diesen Eindruck konnte man durchaus gewinnen: Teil des Kunstwerks waren dreckige Laken, gebrauchte Kondome und Unterwäsche.
In Neukölln überpinselten ambitionierte Maler 1998 ein Zwölf-Quadratmeter großes Nashorn-Gemälde auf einer Hauswand. 1986 wischte eine Putzfrau in der Düsseldorfer Kunstakademie die "Fettecke" von Joseph Beuys einfach weg." Zitat Ende.
(Quelle: spiegel.de/panorama/galerie)

Wenn man Müll zur Kunst erheben kann (siehe aufgezählte anerkannte Kunstwerke. Eine Bemerkung am Rande: Müll erfüllt ein paar wichtige Grundsätze der modernen Kunst: er gibt viel Raum für kunsttheoretische Ergüsse, er schockiert und irritiert und sorgt damit für Aufmerksamkeit und Diskussionen), wenn man verschiedene Alltagsgegenstände zur großen Kunst ernennen kann (siehe Pinkelbecken von Marcel Duchamp - als "Parade"-Beispiel) und wenn man beliebige Ideen oder rein theoretische Prozesse als Kunst bestimmen kann, dann ist absolut alles Kunst. Und wenn dem so ist, dann gilt umgekehrt auch der Satz: Kunst (als was einzeln definierbares) gibt es nicht.

Ernst Gombrich, der als einer der bedeutendsten Kunsthistoriker des 20. Jahrhunderts gilt, sagte: "Es gibt keine Kunst. Es gibt nur Künstler". Münchner Künstler Christopher Lewis hat das, mit eigenen Worten, deutlich bekräftigt: "Es gibt keine Kunst! Bloß weil es Kunstmärkte gibt, heißt das nicht, dass es Kunst gibt. Auf Flohmärkten gibt es auch keine Flöhe zu kaufen". Wolfgang Beltracchi ist meine Lieblingsfigur in der Kunstszene. Praktisch ganz allein hat er die Kunstwelt (Kritiker, Experten, Sammler, Sponsoren, Mäzenen, Galeristen, Künstler etc.) vorgeführt, demaskiert und kompromittiert. Größter (Ex-)Kunstfälscher aller Zeiten (er hat nur die Signaturen gefälscht und keine Bilder) hat gezeigt wie die sog. Kunstszene wirklich funktioniert. Eine echt amüsante Geschichte, die sogar verfilmt wurde. "Der Kunstbetrieb ist bis auf die Knochen blamiert" schrieb FAZ.

Zurück zur Fotografie. Fotografie hat im Allgemeinen, meiner Meinung nach, verschiedene Zwecke zu erfüllen – sie soll bestimmte Momente festhalten (Reportage, Presse, Dokumentation …), sie soll durch Bild informieren und lehren (Sachbücher, Enzyklopädie, Lexikons …), sie soll erinnern (Familienfotos in Familienalben …) und erst am Ende kommt die Kunstfotografie, also das, was man darunter versteht oder auch nicht versteht. Meistens doch das Zweite, seien wir ehrlich.

Wie sehe ich nun Kunstfotografie (Bitte nicht ganz ernst nehmen)? Ein künstlerisches Foto soll lieber in Schwarz-Weiß als in Farbe, besser unscharf als scharf, eher unästhetisch als ästhetisch und vor allem unverständlich sein; der Betrachter soll sich fragen: "Was ist das, was soll das?". Sonst wird oft ein Bild als Kunst gehalten, das provoziert oder sogar schockiert, wobei es keine Grenze gibt. Man sagt dann, dass das Bild Emotionen hervorgerufen hat, was man mit Kunst immer verbindet. Es wird nicht verlangt, dass der Künstler das Können zeigt (und überhaupt besitzt), sondern es geht nur um eine Idee, auch wenn sie für Dritte nicht erkennbar, nicht begreiflich und nicht fassbar ist. Ein Kunst-Foto beinhaltet einfach das alles nicht, was man von einem üblichen Foto erwartet. Immer? Nicht immer, aber immer öfter ;)
 

ÜBER BILDTITEL

Sollen oder sogar müssen Bilder einen Titel haben? Vielleicht brauchen Bilder doch keine Titel? Manche sagen, es wird mit den Titeln die Phantasie des Betrachters eingeschränkt. Auch ich würde in diese Richtung gehen. Die Titel können manchmal wiederum sehr hilfreich sein. Sei es drum, für die Fotos unten habe ich folgende Titel vergeben: "Knochensuppe", "Frauenmacht", "Das Kapitel ist noch nicht abgeschlossen", "Schlüssel zum Ziel", "Das Paar", "Eine Hand wäscht die Andere", "Im Schrank", "Dermatophytose".

EIN PAAR WORTE ZUR ANERKANNTEN KUNST


Das Bild links erkennt wahrscheinlich jeder. Ja, es handelt sich um berühmte Sonnenblumen von van Gogh – hier nachgemacht von mir, vielleicht weniger nachgemacht, man sagt: ich habe mich inspirieren lassen ;). Nicht alle wissen, dass es sich hier um eine Serie von Gemälden des gleichen Motivs handelt. Es gab sieben Bilder von van Gogh mit drei bis fünfzehn Blumen. Das Bild "Vase avec quinze tournesols" (Vase mit fünfzehn Sonnenblumen) hat den Preis von 39,9 Mio. Dollar erreicht.

Das Bild unten ist eine (eigene) Interpretation vom Bild "Die Äpfel" ("Les Pommes") von Paul Cézanne, das in New York im Mai 2013 für fast 42 Millionen Dollar versteigert wurde. Spiegel.de schrieb:

"Die Werke des französischen Impressionisten Paul Cézanne gelten als Bestseller auf dem Kunstmarkt. Jetzt hat ein Bild des Malers erneut einen Rekordpreis erzielt: Das Gemälde "Les Pommes", "Die Äpfel", wurde am Dienstagabend Ortszeit im New Yorker Auktionshaus Sotheby's für 41,6 Millionen Dollar (rund 32 Millionen Euro) verkauft. Damit erzielte das etwa 123 Jahre alte Bild ein gutes Drittel mehr als von den Experten erwartet. Das 1889/1890 entstandene Stillleben zeigt elf Äpfel, einige liegen auf einem Teller, einige daneben. Das Gemälde gilt durch Farbgebung, Schatten und vor allem Formen als wichtiger Schritt hin zur modernen Kunst."

Also fast vier Millionen Dollar pro Apfel. Die Birnen unten kosten 2,59 Euro/Kilo. 11 Birnen wiegen ca. 2 Kilogramm. Der Preis für das Foto "Die Birnen" ("Les Poires") von Richard Rduch steht (noch) nicht fest.

Beide Gemälde gehören praktisch zu den Symbolen von moderner Kunst. Ob verdient oder nicht ist eine andere Sache, ob es Ihnen gefallen oder nicht, ob es auf mich oder auf Sie besondere Wirkung haben oder nicht ... es ist einfach so. Die Sponsoren (sog. Kunstmäzenen) haben es so (auch für uns?) bestimmt.

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